Beitrag in W&V 26-2016

W&V_Artikel

Zuerst als Bilder im Kopf

Schirner Zang Foundation   Ästhetisch anspruchsvol wie Designfotografie ist die HIV.Präventickampagne „Artists for Safer Sex“. 24 Künstler enthüllen jeden Samstag auf safy-sex.de die ihre Version eines erigierten Penis mit Hand und Kondom. Die Fotos werden vorar nach dem Prinzip „Bilder im Kopf“ als Textanzeigen in Print- und digitalen Medien beschrieben und auf der Website angekündigt. Das erste „Safy“ stammt von Stylist und Make-Up-Artist Armin Morbach. Flankierend gibt es digitalbasierte Mitmachaktionen. Hinter der Initiative stehen Werberlegende Michael Schirner und seine Frau Kexin Zang. ph

(Ein Beitrag in W&V 26-2016)

 

Warum 24 Fotokünstler erigierte Penisse ablichten

von Tim Theobald, Montag, 04. Juli 2016

Ein Beitrag von Horizont.net

FR 1-2_0207

Mit erigierten Penissen gegen AIDS: Diese simple Kreatividee hat Kexin Zang, Ehefrau der Werberlegende Michael Schirner, gemeinsam mit internationalen Fotokünstlern umgesetzt. Das Ergebnis ist die ungewöhnliche Aufklärungskampagne „Artists for Safer Sex“, die eine Verbindung zwischen gedruckter und digitaler Werbung herstellt.

Im Mittelpunkt des Online-Auftritts auf der Kampagnenwebsite Safy-Sex.de stehen insgesamt 24 Motive, die auf besondere Weise mit dem Betrachter spielen: In einer ersten Phase werden die anzüglichen Fotos nicht gezeigt, sondern lediglich in Textanzeigen beschrieben (siehe oben). Nach einigen Tagen veröffentlicht die Schirner Zang Foundation dann jeweils das tatsächliche Fotomotiv (unten).

Safy Nr. 2, fotografiert von Anatol Kotte

Safy Nr. 2, fotografiert von Anatol Kotte

 

Mit den aufmerksamkeitsstarken Anzeigen will Schirner Zang  den Gebrauch von Kondomen steigern und Spenden für die HIV-Forschung sammeln. „Das Problem mit HIV/AIDS ist, dass viele meinen, HIV/AIDS sei heute kein Problem mehr. Und sich deshalb mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit AIDS infizieren“, so Kexin Zang, die 2012 gemeinsam mit Michael Schirner die gemeinnützige Schirner Zang Foundation gegründet hat. Der 75-Jährige – seit Ende der 1960er Jahre in der Werbung – gilt als Legende der Kreativbranche. Als Chef der GGK Werbeagentur in Düsseldorf erhob er Werbung zur Kunstform und arbeitete im Laufe der Jahrzehnte für Kunden wie Adidas, ARD, ZDF, Schwäbisch-Hall, Beiersdorf, Hugo Boss oder IBM.

Auf der Kampagnen-Website finden sich neben den kunstvoll inszenierten Motiven weitere Bilder und Making-of-Videos der beteiligten Fotografen wie Armin Morbach, Anatol Kotte und Joachim Baldauf. So fungiert die Seite als „audiovisuelles Aktionszentrum“ der „Artists For Safer Sex“-Initiative, wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt. Neben den Fotografen sind am Design des Auftritts auch die Agenturen Hi-Res!, Philipp und Keuntje, Razorfish und The Adventures Of beteiligt. tt

(Quelle: http://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/Artists-For-Safer-Sex-Warum-24-Fotokuenstler-erigierte-Penisse-ablichten-141174)

Bitte helfen Sie mit, die Ausbreitung von HIV/AIDS und STI zu stoppen.
Spenden Sie für Prävention und HIV-Forschung.

Spenden Button

Aufklären mit Dickpics

Redaktion: Marc Zimmer
Moderation: Konrad Spremberg
Ein Beitrag von detektor.fm

(Klick hier um den Interview zu hören)

 

In fünf Jahren keine neuen HIV-Infektionen mehr, das ist das Ziel der Kampagne „Artists for Safer Sex“. Der Schlüssel zum Erfolg: Fotos von erigierten Penissen. Wie das funktionieren soll, hat uns der Macher der Aktion erklärt.

Safy Sex: Ungewöhnliche Kampagne gegen Aids

Jeder kennt sie, die “Mach’s mit”-Plakate. Sie werben für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sex und die Verwendung von Kondomen. Klassische Aids-Prävention. Jetzt kommen die “Artists for Safer Sex” mit einer Aufklärungskampagne der anderen Art: Statt Fakten und Infos zu Aids und Co. gibt es die sogenannten “Safys“: 24 kunstvolle Fotos von erigierten Penissen sollen Aufmerksamkeit für das Thema erzeugen. Wochenweise kommen neue Bilder auf die Website. Gleichzeitig wird in Zeitschriften und Zeitungen für die Aktion “Safy Sex” geworben, dort allerdings ohne Penis-Fotos. Bei der Aktion haben sich die Macher einiges vorgenommen:

Ziel ist es in den Ländern, in denen die Kampagne läuft, die Zahl der HIV-Neuinfektionen auf Null zu bringen. – Michael Schirner, Artists for Safer Sex

Kunst und Aufklärung

Für die Fotos haben sich Schirner und seine Frau Kexin Zang renommierte Fotografen und Fotografinnen ins Boot geholt, etwa den bekannten Modefotografen Armin Morbach. Die einzige Vorgabe für die Bilder: Hochformat, Hand, Kondom, Penis. Die Ergebnisse unterscheiden sich aber zum Teil stark, so Schirner.

Dass sie ausgerechnet jetzt so eine Kampagne starten, liegt daran, dass die Zahlen der HIV-Infektionen und Aids-Erkrankungen in den letzten Jahren wieder gestiegen sind selbst in einigen Ländern Europas. Einer der Initiatoren, die Werbelegende Michael Schirner, erklärt im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg das Konzept.

(Quelle:https://detektor.fm/gesellschaft/aids-kampagne-safy-sex-gegen-hiv)

Bitte helfen Sie mit, die Ausbreitung von HIV/AIDS und STI zu stoppen.
Spenden Sie für Prävention und HIV-Forschung.

Spenden Button

Gleiches Virus – ungleiche Chancen

Von Pamela Dörhöfer
Frankfurter Rundschau Online

In Afrika stellt Aids immer noch die häufigste Todesursache bei Jugendlichen dar.  Foto: REUTERS

In Afrika stellt Aids immer noch die häufigste Todesursache bei Jugendlichen dar. Foto: REUTERS

In reichen Ländern lässt es sich mit HIV recht lange leben. In Afrika dagegen bleibt Aids eine häufige Todesursache.

Viele Meldungen zu HIV aus der jüngeren Vergangenheit klingen hoffnungsvoll: Weltweit stecken sich immer weniger Menschen an, seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen um 35 Prozent zurückgegangen. In einigen afrikanischen Ländern wie Südafrika oder Uganda, wo Aids früher ganze Dörfer dahinraffte, zeigen Programme zur Prävention und Therapie inzwischen Erfolge. Im einstmals ebenfalls stark betroffenen Thailand gelang es, die Epidemie einzudämmen.

Rechtzeitig erkannt, müsste heute eigentlich niemand mehr an den Folgen einer HIV-Infektion sterben; und in wohlhabenden Ländern geschieht das auch nur noch relativ selten. Mit Medikamenten, die zwar lebenslang eingenommen werden müssen, aber mit immer weniger Nebenwirkungen belasten, lässt sich die Viruslast inzwischen bis unter die Nachweisgrenze senken und ein Leben fast ohne Einschränkungen führen. So vermeldet das Unaids-Projekt der Vereinten Nationen für 2014 auch 42 Prozent weniger Aidstote als noch 2004.

Doch die positive Entwicklung ist ein fragiles Gebilde – und nur ein Teil der Wahrheit: Nach wie vor ist Aids die häufigste Todesursache unter Jugendlichen in Afrika und die zweithäufigste bei Heranwachsenden weltweit, sagt Holger Rabenau, vom Institut für Medizinische Virologie des Universitätklinikums Frankfurt, dem Nationalen Referenzzentrum für Retroviren. Afrika südlich der Sahara bleibt trotz regionaler Erfolge der große Brennpunkt: Dort leben rund 26 Millionen der weltweit knapp 37 Millionen infizierten Menschen. Etwa die Hälfte aller Jugendlichen mit HIV verteile sich auf sechs Länder, sagt Rabenau: Kenia, Nigeria, Südafrika, Mosambik, Tansania und Indien.

Gleiches Virus2

In Johannesburg wird HIV-positiven Frauen und Kindern geholfen. Doch vor allem in ländlicheren Regionen ist die Versorgung mit Medikamenten deutlich schwieriger. Foto: REUTERS

Auch steigen die Infektionszahlen in Gebieten, die in der öffentlichen Wahrnehmung im Zusammenhang mit HIV bislang kaum auf dem Schirm waren. Das gelte für Länder in Osteuropa und Zentralasien, speziell Russland, sagt Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe. Aber auch in Nordafrika und dem Mittleren Osten gehen die Zahlen nach oben, wenngleich auf niedrigem Niveau; die Gründe dafür ließen sich noch nicht einschätzen, sagt Hendrick Streeck, Leiter des Instituts für HIV-Forschung des Universitätsklinikums Essen. Aufgrund des restriktiven Umgangs mit Sexualität in diesen Ländern geht Holger Wicht zudem von einer Dunkelziffer aus.

Überhaupt dürften nach Schätzungen von Unaids rund um den Globus wahrscheinlich rund 17 Millionen Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. Und immer noch hat mehr als die Hälfte aller Infizierten keinen Zugang zur Therapie, sagt Holger Wicht. „Der Status quo reicht nicht aus“, mahnt Hendrik Streeck: „Wenn wir es nicht schaffen, die Epidemie bis 2020 zu kontrollieren, besteht die Gefahr, dass wir auf den Stand von vor zehn Jahren zurückfallen.

Vor allem in Afrika sehe ich die Gefahr, dass das Virus Resistenzen entwickeln könnte. Das würde zu einem Problem wie bei Antibiotika führen: Die Medikamente wirken dann möglicherweise nicht mehr.“

Insbesondere in ländlichen Regionen Afrikas sei die Versorgung mit den lebensrettenden Arzneimitteln bis heute „bruchstückhaft“. Das habe nicht nur mit mangelnder Infrastruktur vor Ort, sondern oft auch mit Lieferengpässen zu tun, die zuweilen bereits in den Herkunftsländern ihren Ausgang nehmen: „Es gibt Monate, in denen keine Medikamente ankommen.“

In Afrika sind neben Jugendlichen vor allem Frauen die Leidtragenden der Epidemie: Sie sind die Schwächsten in einer von Männern dominierten Gesellschaft und können sich häufig weder gegen erzwungenen Geschlechtsverkehr wehren noch auf der Benutzung eines Kondoms bestehen. Zudem fördert Armut Prostitution. Experten diskutieren, ob man diesen Frauen mit einer vorbeugenden Gabe antiviraler Medikamenten – einer Präexpositionsprophylaxe – helfen könnte. Ein entsprechendes Programm existiert aber noch nicht.

In Industriestaaten konnte durch die Versorgung mit sterilen Spritzen die Ansteckungsgefahr für Drogenabhängige minimiert werden.  Foto: REUTERS

In Industriestaaten konnte durch die Versorgung mit sterilen Spritzen die Ansteckungsgefahr für Drogenabhängige minimiert werden. Foto: REUTERS

In den Industriestaaten stellen dagegen homosexuelle Männer die größte Gruppe unter den HIV-Infizierten dar – vor allem in jenen Ländern, wo durch die Versorgung mit sterilen Spritzen die Ansteckungsgefahr für Drogenabhängige minimiert werden konnte. Auch ist der Heroinkonsum zugunsten anderer Substanzen wie Crystal Meth, die oft nicht injiziert werden, in den Hintergrund gerückt. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sieht die Situation anders aus: Dort sei die Übertragung von HIV beim Drogenkonsum „weit verbreitet“, sagt Holger Wicht, aber es gebe auch unter schwulen Männern eine Epidemie: „Homosexualität und Drogen sind dort enorm tabuisiert.

Das schreckt Menschen ab, sich testen zu lassen und Hilfe zu suchen. Sie würden damit in Erklärungsnot kommen. Viele wissen deshalb nichts von ihrer Infektion.“ Auch mangele es an gezielten Angeboten. Hendrick Streeck weist zudem auf den Zusammenhang von HIV mit Krieg und Armut hin, spricht vom „War in the blood“: „Krieg führt zu mehr Vergewaltigungen und Prostitution – und gleichzeitig zu weniger Prävention und Medikamenten.“

Aids bis 2030 weitgehend zu besiegen: Dieses Ziel hat Unaids ausgegeben. Die Präventions- und Spendenkampagne der Schirner Zang Foundation will die Zahl der Neuinfektionen sogar binnen der nächsten fünf Jahre auf Null bringen. Ein besonders wirksames Instrument, das zu erreichen, wäre freilich eine Impfung. Doch ein effektiver, dauerhafter Schutz konnte bislang nicht entwickelt werden. „Ein Ende der Epidemie ist möglich“, ist Holger Wicht überzeugt. „Die Frage ist, ob die Welt bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen“, sagt Hendrik Streeck. Denn dafür müsste die Weltgemeinschaft jährlich zweistellige Milliardenbeträge in US-Dollars ausgeben.

(Quelle: http://www.fr-online.de/hiv-und-aids/hiv-gleiches-virus—ungleiche-chancen,34335852,34386402.html)

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 12.54.53

Bitte helfen Sie mit, die Ausbreitung von HIV/AIDS und STI zu stoppen.
Spenden Sie für Prävention und HIV-Forschung.

www.safy-sex.de

Spenden Button

Ganze Generationen sterben an Aids

Von Pamela Dörhöfer
Frankfurter Rundschau Online

Junge Menschen aus Südafrika posieren für die Kamera, um auf die Notwendigkeit von Schutz und Therapie aufmerksam zu machen. Foto: REUTERS

Junge Menschen aus Südafrika posieren für die Kamera, um auf die Notwendigkeit von Schutz und Therapie aufmerksam zu machen. Foto: REUTERS

Weltweit suchen Forscher nach einem Impfstoff gegen HIV. Mittlerweile gibt es einige hoffnungsvolle Ansätze für eine mögliche Impfung.

In den westlichen Industrienationen ist Aids in den vergangenen Jahren zunehmend aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Denn eine Infektion mit dem HI-Virus bedeutet hier in der Regel kein Todesurteil mehr, sondern lässt sich mit einer Kombination hochwirksamer Medikamente auf dem Status einer chronischen Erkrankung in Schach halten; die Lebenserwartung gut behandelter HIV-positiver Patienten unterscheidet sich so kaum noch von der gesunder Menschen. In der Sorglosigkeit, die sich dadurch bei der Bevölkerung eingeschlichen hat, sehen Experten einen Hauptgrund für die auch in Deutschland kontinuierlich steigende Zahl der Neuinfektionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Bilder von ausgemergelt wirkenden Aidskranken, vielleicht sogar einen Todesfall im eigenen Bekanntenkreis – das kennen hierzulande mittlerweile nur noch die über 40-Jährigen.

In ärmeren Ländern hingegen leiden und sterben immer noch viele Menschen an der Immunschwächekrankheit. Das gilt bereits für Teile Osteuropas, betrifft aber vor allem Afrika. Dort sind alleine im südlichen Teil des Kontinents rund 26 Millionen Frauen, Männer und Kinder mit dem HI-Virus infiziert – „so viele wie alle Einwohner der Niederlande und Belgien zusammen“, sagt Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für HIV-Forschung des Universitätsklinikums Essen. Viele dieser Menschen haben keinen Zugang zur Therapie: „Nur etwas über 40 Prozent aller HIV Infizierter Menschen erhalten lebensrettende Medikamente, obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO die sofortige Behandlung aller Infizierter empfiehlt.“ Die Folge: Jedes Jahr sterben 1,2 Millionen Menschen an Aids und den mit der Immunschwäche verbundenen Erkrankungen. „Diese Zahl bedeutet in einigen Ländern den Verlust ganzer Generationen“, erläutert der Wissenschaftler, „der Jungen, Starken, Gebildeten, die das Rückgrat der Wirtschaft und Gesellschaft bilden“.

Als einzige langfristige Hoffnung im Kampf gegen HIV sehen Mediziner die Entwicklung eines Impfstoffs an. Bislang allerdings konnte noch keine Substanz mit zuverlässiger und dauerhafter Schutzwirkung gefunden werden. Mehr als 100 potenzielle Vakzine wurden in den frühen Phasen bereits getestet, nur wenige hingegen in späteren Phasen auf ihre Wirksamkeit, vor HIV zu schützen. Doch bei der Entwicklung gab es immer wieder Rückschläge – etwa 2007, als ein Teststoff die Anfälligkeit für eine Infektion sogar erhöhte anstatt sie zu senken.

Das Hauptproblem besteht darin, dass herkömmliche Mechanismen Impfstoffstrategien bei diesem speziellen Virus entweder nicht funktionieren oder nicht angewendet werden können, erklärt Hendrik Streeck. Die meisten Impfungen basieren darauf, durch abgeschwächte oder abgetötete Erreger oder auch bestimmte charakteristische Bestandteile eines Erregers eine Immunreaktion zu provozieren, durch die der Körper lernt, wie diese Krankheitsauslöser auszuschalten sind. Anders bei HIV. So fehlt alleine schon das natürliche Vorbild für einen Impfstoff. „Bisher hat kein Immunsystem es geschafft, sich von HIV zu heilen“, sagt Streeck. Denn typisch für das Virus sind seine große Vielfalt und hohe Wandelbarkeit: Es ändert ständig sein Gesicht und vermag sich so dem Immunsystem immer wieder aufs Neue zu entziehen. Und ist der Erreger erst einmal in die Zelle eingedrungen und in diese integriert worden, wird es für die Immunabwehr sehr viel schwieriger, den Fremdkörper auszumachen. „Eine ähnliche Problematik wie bei Krebs – aber da HIV auch noch das Immunsystem selbst angreift, ist es noch schwieriger, wirkungsvoll dagegen vorzugehen“, veranschaulicht der Mediziner.

Die T-Shirts der Kampagne. Foto: REUTERS

Die T-Shirts der Kampagne. Foto: REUTERS

Mittlerweile jedoch gibt es einige hoffnungsvolle Ansätze für eine mögliche Impfung: So entwickelten Forscher 2009 einen Stoff, der bei einem Drittel der insgesamt 8000 geimpften Versuchspersonen Wirkung zeigte. Allerdings war der Schutz nicht von Dauer, sondern ging innerhalb von einem Jahr verloren. „Trotzdem wurde damit bewiesen: Ein HIV-Impfstoff ist potenziell möglich“, sagt Hendrik Streeck.

Aktuell laufen mehrere Studien zu ganz unterschiedlichen Impfkonzepten. Einige bedienen sich sogenannter Vektoren – Überträgern, mit deren Hilfe Bestandteile eines Krankmachers auf ungefährliche Weise in den Körper geschleust werden sollen, um dort eine Abwehrreaktion zu produzieren. So integrierte ein US-Forscherteam Oberflächenmoleküle des HI-Virus in Viren, die einfache Schnupfen auslösen, und verabreichten sie einer Gruppe von Probanden. Die Ergebnisse der ersten Studien mit dem experimentellen Impfstoff bezeichneten die Wissenschaftler als vielversprechend.

Auch der Entdecker von HIV arbeitet an einem Impfstoff

Auch Robert Gallo, 1984 einer der Entdecker des HI-Virus, arbeitet mit seinem Team von der University of Maryland an einem Impfstoff. Der 79 Jahre alte Virologe verfolgt dabei das Ziel, eine Antikörperantwort zu entwickeln, die verhindern soll, dass der Erreger überhaupt erst in die menschlichen Zellen eindringen kann. Dazu muss man verstehen, auf welche raffinierte Weise sich das HI-Virus Zutritt verschafft: Eines seiner Oberflächenproteine, das „gp120“, bindet hintereinander an zwei verschiedene Rezeptoren der weißen Blutzellen, wobei es zwischendurch schnell seine Struktur ändert. Sobald das Viruseiweiß an beide angedockt hat, öffnet sich nach dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ die Zelle und der Erreger kann eindringen. Dem Immunsystem bleibt bei diesem Vorgang keine Zeit, Antikörper zu bilden.

Der von den US-Wissenschaftlern um Gallo entwickelte Impfstoff besteht aus einer veränderten Version des Virusproteins gp120, die im Gegensatz zum Original nur an einen der beiden Rezeptoren auf den weißen Blutzellen binden kann. Auf diese Weise bekommt das Immunsystem die Möglichkeit, Antikörper gegen das Virusprotein zu bilden – die Penetration der Zelle würde so verhindert. Bei Versuchsreihen an Affen hat die Antikörper-Produktion funktioniert, als nächstes sollen erste Tests mit Menschen beginnen.

Andere Ansätze richten sich auf einen der wenigen relativ konstant bleibenden Bestandteile des HI-Virus, den CD4-Rezeptor, der allerdings unter einer Art Hülle auf der Oberfläche versteckt liegt und deshalb dem Immunsystem verborgen bleibt. Die Hoffnung: Gelänge es, diese Bindestelle zu besetzen, so hätte das Virus keine Möglichkeit mehr, an die Immunzelle anzudocken.

(Quelle:http://www.fr-online.de/hiv-und-aids/hiv-ganze-generationen-sterben-an-aids,34335852,34275022.html)

Kotte_Anzeige

Bitte helfen Sie mit, die Ausbreitung von HIV/AIDS und STI zu stoppen.
Spenden Sie für Prävention und HIV-Forschung.

www.safy-sex.de

Spenden Button

 

Beitrag in Frankfurter Rundschau am 25. Juni

Anzeige1Safy-Sex-Kampagne

Chefredaktion
Bascha Mika, Arnd Festerling

Heute startet die Safy-Sex-Karnpagne der Schirner Zang Foundation. Sie will vor allem beijungen Menschen das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Prävention schärfen und zudem Spenden sammeln, um die Entwicklung wirksamerer Medikamente und einer Impfung zu fördern.

Die Frankfurter Rundschau unterstützt die Kampagne journalistisch. Nachdem wir vergangenen Samstag die globale Situation zu HIV und Aids vorgestellt haben, gebt es in der heutigen Ausgabe um die Entwicklung in Deutschland.

Liebe Leserin, lieber Leser

Vielleicht erinnern Sie sich: Ende der 80er Jahre wollte der CSU-Politiker Peter Gauweiler alle HN-Infizierten in Ghettos sperren lassen. Damals beherrschte das Thema Aids die Öffentlichkeit. Und heute? Inzwischen glauben wir, dass Aids nur für die anderen ein Problem ist- für afrikanische Länder, für Menschen, die sich keine Medikamente leisten können. Doch Aids geht uns alle an. Weil wir dort helfen müssen, wo das Virus ganze Dörfer dezimiert und es kein funktionierendes Gesundheitssystem gibt. Aber auch, weil sich immer mehr Menschen hierzulande neu anstecken. Deshalb unterstützt die FR die Kampagne der Schirner Zang Foundation. Eine gemeinnützige Stiftung der Künstlerin Kexin Zang, die Kunst und Kultur fördern will. Die Stiftung hat Künstler und Designer dafür gewonnen, sich an einer Anti-Aids-Kampagne zu beteiligen. Motto: „Artists for Safer Sex“. Die Kampagne ist die kreative Variation einer früheren Anti-Aids-Aktion, die als Reaktion auf Gauweilers Hetze entstand. Der Ideengeber ist damals wie heute der gleiche: Michael Schirner, Künstler und Designer. Damals fotografierte Schirner einen erigierten Penis mit Hand und Kondom; heure nehmen 24 Kreative dieses Motiv neu auf. In der Zeitung werden Sie diese künstlerischen Variationen allerdings nicht sehen – nur die Verweise darauf. Die führen Sie auf unsere Website, wo Sie ein Dossier zum Thema Aids finden und eine Kostprobe der Kunstwerke. Und wer genau wissen will, wie diese aussehen, der wird zum Webauftritt der Schirner-Zang-Foundation geführt. Achim Morbach, Modefotograf und Stylist, ist der erste, der seine Variation zum Penis-Kondom-Motiv zeigt. Ziel der Kampagne: aufzuklären und Spenden für die Aids-Prävention zu sammeln.